Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 001 / 2017 - 05.01.2017

Trotz Arbeit sind in Duisburg über 5000 Menschen auf Hartz IV angewiesen

In Duisburg sind derzeit 5112 Menschen trotz Arbeit auf Hartz IV angewiesen. Eine große Zahl der Aufstockenden arbeitet in geringfügiger Beschäftigung. So haben 4919 Aufstockende nur einen Minijob. 1464 sind Vollzeitbeschäftigte.

„Es ist untragbar, dass so viele Menschen in unserer Stadt von ihrer Arbeit nicht leben können.“ erklärt Angelika Wagner, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Duisburg: „Ein besonderes Problem sind die Minijobs. Der Minijob ist keine Brücke in reguläre Beschäftigung, sondern ein Armutsrisiko.“ Besonders für Frauen nach der Familienphase, die den Wiedereinstieg in sozialversicherte Arbeit suchten, würden Minijobs zur Sackgasse. Minijobs böten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg im Beruf. Hinzu komme, dass keine oder nur eingeschränkte Ansprüche für die gesetzliche Sozialversicherung erworben werden und dies oft über viele Jahre. Oftmals klebe das Etikett „Minijob gleich Aushilfe“ an den geringfügig Beschäftigten.

„Es ist deshalb dringend notwendig, dass das Jobcenter In Duisburg sich mehr für die Beschäftigten im Leistungsbezug engagiert.“ fordert Wagner: „Wer sich in einer beruflichen Einbahnstraße befindet, braucht mehr Unterstützung statt Sanktionen.“ Dazu seien mehr Angebote der aktiven Arbeitsmarktpolitik nötig, insbesondere Angebote einer beruflichen Qualifizierung müssten weiter voran gebracht werden. „Wissenschaftliche Studien bestätigen regelmäßig, dass viele Menschen in Minijobs gerne mehr arbeiten würden.“ Für die DGB-Vorsitzende ist deshalb klar: „Unser Ziel ist, dass mehr Minijobs in sozialversicherte Arbeit umgewandelt werden. Der DGB hat dazu einige Vorschläge gemacht.“

Aber auch Land und Kommune sieht Wagnerin der Verantwortung: „Weit über die Hälfte der geringfügig Beschäftigten bundesweit, die aufstocken müssen, sind Frauen. Viele von ihnen leisten Familien- und Pflegearbeit, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden arbeiten können. Deshalb müssen wir die Infrastruktur so ausbauen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter zu meistern ist.“

Zwar ist bundesweit die Zahl der Aufstockenden in den letzten zwölf Monaten geringfügig um rund 50.000 gesunken, ist aber mit fast 1,2 Millionen Betroffenen immer noch sehr hoch. Im Jahr 2015 wurden 100.000 Minijobs in sozialversicherte Beschäftigung umgewandelt. „Das geht auf das Konto des Mindestlohns!“, darauf weist Angelika Wagner hin. „Der Mindestlohn wirkt, allen Unkenrufen zum Trotz. Aber auch unser Jobcenter ist in der Pflicht, sich mehr um die Aufstockenden zu kümmern. Arbeit muss vor Armut schützen und da gibt es noch einiges zu tun.“


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